Ratgeber
Brutto zu Netto: So berechnest du dein Gehalt – inklusive Mindestlohn 2030
Bei einem Mindestlohn von 13,9 €/h (2026) liegt das Netto für einen Ledigen in Steuerklasse I bei etwa 1.750 € – abhängig von Krankenkasse und Zusatzbeitrag.
Brutto zu Netto: So berechnest du dein Gehalt – inklusive Mindestlohn 2030
Du bekommst deinen Gehaltszettel und fragst dich: Warum ist das Netto so viel niedriger als das Brutto? Keine Sorge, das ist normal. In diesem Artikel erkläre ich dir Schritt für Schritt, wie du von Brutto zu Netto kommst. Dabei werfen wir auch einen Blick auf den aktuellen Mindestlohn und die mögliche Entwicklung bis 2030.
Die wichtigsten Abzüge im Überblick
Dein Bruttogehalt wird um drei große Blöcke reduziert: Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Sozialversicherungsbeiträge. Die Lohnsteuer richtet sich nach deiner Steuerklasse und deinem zu versteuernden Einkommen. Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei etwa 12.348 Euro – bis dahin zahlst du keine Einkommensteuer. Der Solidaritätszuschlag wird nur noch von Gutverdienern gezahlt; ab einem Jahreseinkommen von rund 18.000 Euro (Ledige) fällt er teilweise an.
Die Sozialversicherungsbeiträge teilen sich auf in:
- Krankenversicherung (KV): 8,75 % (Arbeitnehmeranteil) plus kassenindividueller Zusatzbeitrag (im Schnitt ca. 1,7 %)
- Rentenversicherung (RV): 9,3 %
- Arbeitslosenversicherung (AV): 1,3 %
- Pflegeversicherung (PV): 2,4 % (kinderlos) bzw. 2,0 % (mit Kindern)
Diese Prozentsätze werden vom Bruttogehalt abgezogen, allerdings nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Liegt dein Gehalt darüber, bleibt der Beitrag konstant.
Beispielrechnung: Mindestlohn 2026
Nehmen wir einen ledigen Arbeitnehmer in Steuerklasse I ohne Kinder, der 40 Stunden pro Woche zum Mindestlohn von 13,9 € arbeitet. Das ergibt ein Bruttomonatsgehalt von etwa 2.410 €.
- Lohnsteuer: ca. 150 € (geschätzt, da unter Grundfreibetrag? Nein, bei 2.410 € monatlich liegt das Jahreseinkommen bei 28.920 €, also über dem Grundfreibetrag. Die Lohnsteuer beträgt etwa 200–250 € monatlich.)
- Solidaritätszuschlag: entfällt bei diesem Einkommen (unter 18.000 €/Jahr? Nein, 28.920 €, aber Soli wird erst ab ca. 18.000 € fällig, jedoch nur anteilig. Tatsächlich fällt bei 28.920 € ein kleiner Soli an, ca. 10–15 €.)
- KV: 8,75 % + 1,7 % Zusatzbeitrag = 10,45 % → 252 €
- RV: 9,3 % → 224 €
- AV: 1,3 % → 31 €
- PV: 2,4 % → 58 €
Summe Abzüge: ca. 780–800 €. Netto: etwa 1.610–1.630 €. (Das ist eine Schätzung; der genaue Wert hängt vom Zusatzbeitrag ab.)
Beispielrechnung: Durchschnittsgehalt (4.784 € brutto)
Bei einem durchschnittlichen Bruttomonatsgehalt von 4.784 € (Vollzeit, April 2025) sieht die Rechnung so aus:
- Lohnsteuer (Steuerklasse I): ca. 800 €
- Soli: ca. 40 €
- KV: 10,45 % → 500 €
- RV: 9,3 % → 445 €
- AV: 1,3 % → 62 €
- PV: 2,4 % → 115 €
Abzüge gesamt: rund 1.960 €. Netto: ca. 2.824 €.
Ausblick: Mindestlohn 2030
Die Diskussion um den Mindestlohn 2030 ist in vollem Gange. Die Mindestlohnkommission wird voraussichtlich 2028/2029 eine neue Empfehlung abgeben. Politische Forderungen gehen bis zu 15 € oder sogar 16 € pro Stunde. Sollte der Mindestlohn auf 15 € steigen, läge das Bruttomonatsgehalt bei 40 Stunden bei etwa 2.600 €. Das Netto würde dann entsprechend höher ausfallen – aber auch die Abzügen steigen leicht. Klar ist: Der Mindestlohn 2030 wird über dem heutigen Niveau liegen, aber wie hoch genau, bleibt abzuwarten.
Tipps für deine Gehaltsplanung
- Nutze unseren Brutto-Netto-Rechner, um deine persönlichen Abzüge zu simulieren.
- Informiere dich in unserem Ratgeber über Steuerklassen und Sparmöglichkeiten.
- Bedenke: Je nach Bundesland und Krankenkasse können die Abzüge um einige Euro variieren.
Fazit
Von Brutto zu Netto zu kommen, ist mit den richtigen Zahlen gar nicht schwer. Die größten Posten sind Lohnsteuer und Sozialversicherung. Mit den aktuellen Werten für 2026 und einem Blick auf den Mindestlohn 2030 bist du gut gerüstet, um dein Gehalt realistisch einzuschätzen. Denk daran: Jeder Euro mehr Brutto bedeutet nicht automatisch den gleichen Nettozuwachs – wegen Steuerprogression und Beitragsbemessungsgrenzen. Bleib informiert und plane voraus!
Selbst nachrechnen
Beispielorientierung bei etwa 2.410 € brutto (Steuerklasse I).
Abzugswasserfall
Vom Brutto zum Netto
Ziehe am Brutto und wechsle die Steuerklasse — die Abzüge fließen sichtbar ab.
Steuerklasse
Netto / Monat
1.558 €
Abzüge
852 €
Schätzung für 2026 (gesetzliche KV, Ø-Zusatzbeitrag). Kein Ersatz für die Entgeltabrechnung.
Häufige Fragen
Wie berechne ich mein Netto aus dem Bruttogehalt?
Ziehe vom Bruttogehalt die Lohnsteuer (abhängig von Steuerklasse und Einkommen), den Solidaritätszuschlag (nur bei höheren Einkommen) sowie die Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung) ab. Die genauen Sätze findest du in der Tabelle oben. Nutze unseren [Brutto-Netto-Rechner](/rechner) für eine schnelle Schätzung.
Wird der Mindestlohn bis 2030 deutlich steigen?
Die Mindestlohnkommission tagt alle zwei Jahre und schlägt Anpassungen vor. Politische Diskussionen zielen auf eine Erhöhung auf 15 € oder mehr bis 2030 ab. Eine offizielle Entscheidung steht noch aus. Derzeit liegt der Mindestlohn bei 13,9 € (2026). Der genaue Wert für 2030 ist noch unklar, aber eine moderate Steigerung ist wahrscheinlich.
Welche Steuerklasse ist für mich am besten?
Steuerklasse I gilt für Ledige, II für Alleinerziehende, III für Verheiratete mit großem Einkommensunterschied, IV für Paare mit ähnlichem Einkommen, V für den Ehepartner mit geringerem Einkommen und VI für Zweitjobs. Die Wahl hängt von deiner Lebenssituation ab. Mehr dazu in unserem [Ratgeber](/blog).