Ratgeber
Lohnsteuer und Sozialabgaben im Überblick: So viel bleibt vom Brutto – auch mit Mindestlohn jetzt
Bei einem Bruttogehalt von 2.410 € (Mindestlohn 2026) bleiben in Steuerklasse I ohne Kinder nach Lohnsteuer und Sozialabgaben rund 1.750 € netto – abhängig von Krankenkasse und Zusatzbeitrag.
Lohnsteuer und Sozialabgaben im Überblick
Jeden Monat steht auf deiner Gehaltsabrechnung ein Bruttobetrag – doch was am Ende auf deinem Konto landet, ist oft deutlich weniger. Der Unterschied zwischen Brutto und Netto besteht aus zwei großen Blöcken: der Lohnsteuer und den Sozialabgaben. In diesem Artikel erfährst du, wie sich diese Abzüge zusammensetzen, wie sie sich mit dem Einkommen verändern und was der Mindestlohn jetzt (2026) für dein Netto bedeutet.
Was ist Lohnsteuer?
Die Lohnsteuer ist eine besondere Erhebungsform der Einkommensteuer. Sie wird direkt vom Arbeitgeber einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Die Höhe richtet sich nach deinem Bruttogehalt, deiner Steuerklasse, deinem Bundesland (Kirchensteuer) und ob du Kinder hast. Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei etwa 12.348 € pro Jahr – bis zu diesem Betrag zahlst du keine Lohnsteuer. Erst für jeden zusätzlichen Euro greift der progressive Steuertarif.
Die sechs Steuerklassen haben unterschiedliche Auswirkungen:
- Steuerklasse I: Ledige, Geschiedene, Verwitwete ohne Kinder
- Steuerklasse II: Alleinerziehende (Entlastungsbetrag)
- Steuerklasse III: Verheiratet, wenn ein Partner viel, der andere wenig verdient
- Steuerklasse IV: Verheiratet mit ähnlichem Einkommen
- Steuerklasse V: Verheiratet, der Besserverdienende in III, der andere in V
- Steuerklasse VI: Zweit- oder Nebenjobs
Zusätzlich zur Lohnsteuer wird der Solidaritätszuschlag (5,5 % der Lohnsteuer) erhoben, der aber für die meisten Geringverdiener entfällt. Seit 2021 wird er nur noch bei hohen Einkommen fällig.
Sozialabgaben – die zweite große Abzugsposition
Neben der Lohnsteuer zahlst du als Arbeitnehmer Beiträge zur Sozialversicherung. Diese sind prozentual und werden je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen (Ausnahme: Pflegeversicherung bei Kinderlosen). Die Arbeitnehmeranteile für 2026:
- Krankenversicherung (KV): 8,75 % (zzgl. kassenindividueller Zusatzbeitrag, ca. 1,5–2,5 %)
- Rentenversicherung (RV): 9,3 %
- Arbeitslosenversicherung (AV): 1,3 %
- Pflegeversicherung (PV): 2,4 % (kinderlos) bzw. 1,7 % (mit Kindern)
Diese Beiträge werden bis zur Beitragsbemessungsgrenze berechnet. Liegt dein Brutto über dieser Grenze, bleibt der SV-Anteil gedeckelt. Für 2026 gelten voraussichtlich folgende Werte (noch nicht offiziell): KV/PV: ~5.512,50 €/Monat, RV/AV: ~7.550 €/Monat (West).
Beispielrechnung: Mindestlohn jetzt (2026)
Nehmen wir den gesetzlichen Mindestlohn ab 1. Januar 2026: 13,90 € pro Stunde, bei 40 Stunden/Woche ergibt das 2.410 € brutto im Monat (28.922 €/Jahr). Für einen ledigen Arbeitnehmer in Steuerklasse I ohne Kinder, gesetzlich krankenversichert mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag (ca. 1,7 %), ergeben sich folgende Abzüge:
- Lohnsteuer: ca. 120 € (wegen Grundfreibetrag gering)
- Solidaritätszuschlag: 0 € (da unter Freigrenze)
- KV (8,75 % + 1,7 %): ca. 252 €
- RV (9,3 %): ca. 224 €
- AV (1,3 %): ca. 31 €
- PV (2,4 %): ca. 58 €
Netto: etwa 1.725 € (je nach Zusatzbeitrag und Kirchensteuer). Das ist eine Nettolohnquote von rund 72 %.
Beispiel: Durchschnittsgehalt (4.784 € brutto)
Bei einem durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst von 4.784 € (Destatis 2025) sehen die Abzüge anders aus:
- Lohnsteuer: ca. 700 € (Steuerklasse I)
- Solidaritätszuschlag: ca. 38 €
- KV (8,75 % + 1,7 %): ca. 500 €
- RV (9,3 %): ca. 445 €
- AV (1,3 %): ca. 62 €
- PV (2,4 %): ca. 115 €
Netto: etwa 2.924 € – eine Nettolohnquote von rund 61 %. Der prozentuale Abzug ist höher, weil die Lohnsteuer progressiv steigt.
Wie du dein persönliches Netto berechnest
Jeder Fall ist individuell: Steuerklasse, Kinder, Kirchensteuer, Krankenkasse und Bundesland beeinflussen das Netto. Nutze dafür unseren Brutto-Netto-Rechner – gib deine Daten ein und erhalte eine realistische Schätzung. Für einen Überblick über typische Gehälter in verschiedenen Berufen sieh in unsere Gehaltsdaten.
Tipps, um mehr Netto zu behalten
- Steuerklasse prüfen: Heirat oder Scheidung ändern die Steuerklasse. Auch ein Wechsel von IV/IV zu III/V kann sinnvoll sein.
- Kinderfreibeträge: Mit Kindern sinkt die Lohnsteuer durch Freibeträge oder Kindergeld.
- Werbungskosten: Fahre zur Arbeit? Dann kannst du die Pendlerpauschale geltend machen. Auch Homeoffice-Pauschale oder Fortbildungskosten senken die Steuerlast.
- Vorsorgeaufwendungen: Beiträge zur Altersvorsorge (z. B. Riester) oder zur Krankenversicherung können steuermindernd wirken.
- Kirchenaustritt: Wer keiner Kirche angehört, spart 8–9 % der Lohnsteuer (je nach Bundesland).
Fazit
Lohnsteuer und Sozialabgaben sind die beiden großen Posten, die dein Bruttogehalt schmälern. Der Mindestlohn jetzt (13,90 €/h) bringt dir ein Brutto von 2.410 €, netto etwa 1.725 €. Je höher dein Einkommen, desto mehr Steuern und Abgaben fallen an – aber auch der absolute Nettozuwachs bleibt positiv. Mit einem guten Verständnis der Abzüge und den richtigen Stellschrauben kannst du dein Netto optimieren.
Weitere Artikel zu diesem Thema findest du in unserem Ratgeber und unter Themen.
Selbst nachrechnen
Beispielorientierung bei etwa 2.410 € brutto (Steuerklasse I).
Abzugswasserfall
Vom Brutto zum Netto
Ziehe am Brutto und wechsle die Steuerklasse — die Abzüge fließen sichtbar ab.
Steuerklasse
Netto / Monat
1.558 €
Abzüge
852 €
Schätzung für 2026 (gesetzliche KV, Ø-Zusatzbeitrag). Kein Ersatz für die Entgeltabrechnung.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Mindestlohn 2026?
Ab dem 1. Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 13,90 € pro Stunde. Bei einer 40-Stunden-Woche ergibt das ein Bruttomonatsgehalt von etwa 2.410 € und ein Jahresbrutto von rund 28.922 €. Die Anpassung wurde von der Mindestlohnkommission empfohlen und vom BMAS umgesetzt.
Welche Sozialabgaben werden vom Bruttogehalt abgezogen?
Als Arbeitnehmer zahlst du 2026 folgende Beiträge: Krankenversicherung (8,75 %), Rentenversicherung (9,3 %), Arbeitslosenversicherung (1,3 %) und Pflegeversicherung (2,4 % für Kinderlose, mit Kindern etwas niedriger). Hinzu kommt die Lohnsteuer, die nach Steuerklasse und Höhe des Einkommens berechnet wird.
Wie kann ich mein Netto selbst berechnen?
Am einfachsten nutzt du unseren [Brutto-Netto-Rechner](/rechner). Gib dein Bruttogehalt, Steuerklasse, Bundesland, Krankenkasse und Kinderfreibeträge ein. Der Rechner berücksichtigt alle aktuellen Lohnsteuer- und Sozialversicherungsregeln. Für eine Übersicht über Durchschnittsgehälter schau in unsere [Gehaltsdaten](/daten).